Interview mit Heidi Nickel, Vorstandsvorsitzende der MGG: Wirksamkeit durch Begleitung – Gesundheit genossenschaftlich neu denken
Frage:
Krankenkassen wie die DAK Gesundheit setzen Gesundheit, Prävention und BGM als zentrale Zukunftsthemen. Wo verortet sich die MGG in diesem Feld?
Antwort Heidi Nickel, MGG:
Die MGG versteht sich als wirksame Ergänzung zum Gesundheitssystem. Während Krankenkassen primär finanzieren, regulieren und evaluieren, sorgt die MGG dafür, dass Prävention im Alltag ankommt – durch Begleitung, Beteiligung und genossenschaftliche Umsetzung. Unser Fokus liegt auf Wirksamkeit durch Struktur, nicht auf Einzelmaßnahmen.
1. Wirksamkeit durch Begleitung statt Maßnahmenlogik
Frage:
Was bedeutet für die MGG konkret „Wirksamkeit durch Begleitung“?
Antwort:
Wirksamkeit entsteht nicht durch punktuelle Angebote, sondern durch kontinuierliche Begleitung von Menschen, Organisationen und Lebensräumen.
Die MGG begleitet:
- Unternehmen beim Aufbau nachhaltiger BGM‑ und Resilienzstrukturen
- Quartiere beim Übergang von Wohnraum zu gesunden Lebensräumen
- Akteure beim Zusammenführen von Prävention, Arbeit und sozialer Teilhabe
Begleitung heißt: entwickeln, qualifizieren, vernetzen – und dranbleiben.
2. Beteiligungs‑Ökosysteme statt Einzellösungen
Frage:
Sie sprechen von Beteiligungs‑Ökosystemen. Was ist darunter zu verstehen?
Antwort:
Gesundheit lässt sich nicht „ausrollen“. Sie entsteht dort, wo Menschen beteiligt sind.
Die MGG baut regionale Beteiligungs‑Ökosysteme, in denen:
- Unternehmen
- Wohnungsgenossenschaften
- Kommunen
- Leistungserbringer
- und Bürger:innen
gemeinsam Verantwortung für Gesundheit übernehmen.
Die Genossenschaft ist dabei das organisatorische Rückgrat: demokratisch, verbindlich und langfristig.
3. Gründung von Gesundheitsgenossenschaften: Struktur für Prävention
Frage:
Welche Rolle spielen Gesundheitsgenossenschaften in diesem Modell?
Antwort:
Gesundheitsgenossenschaften sind für uns ein strategisches Zukunftsinstrument.
Sie ermöglichen:
- regionale Steuerung von Präventions- und Gesundheitsleistungen
- Kooperation statt Parallelstrukturen
- nachhaltige Verankerung jenseits von Projektlogik
Die MGG bringt dafür:
- Gründungs‑ und Strukturkompetenz
- Qualitätsstandards
- Qualifizierung von Leistungsträgern
So wird Gesundheit dauerhaft organisierbar.
4. Ausstattung mit Leistungen der Gesundheitsvorsorge
Frage:
Wie kommen die Menschen konkret an Gesundheitsleistungen?
Antwort:
Die MGG sorgt für die systematische Ausstattung von Lebens- und Arbeitswelten mit Gesundheitsvorsorge:
- Resilienzprogramme
- Präventionsangebote
- Qualifizierte Begleit‑ und Unterstützungsleistungen
Dabei denken wir förderfähig, anschlussfähig und umsetzbar – auch im Zusammenspiel mit Krankenkassen, Jobcentern und Unternehmen.
5. Fachkräftesicherung als Gesundheitsthema
Frage:
Welche Verbindung sieht die MGG zwischen Gesundheit und Fachkräftesicherung?
Antwort:
Fachkräftesicherung ist ohne Gesundheit nicht mehr denkbar.
Die MGG verbindet:
- Gesundheitsförderung
- Qualifizierung
- sinnstiftende Tätigkeiten
Gerade in Care‑, Bildungs‑ und Unterstützungsberufen entstehen neue Rollen – gesundheitsnah, wirksam und gesellschaftlich relevant.
Gesunde Arbeit sichert Menschen im System, nicht nur Stellen.
6. LebensWert entwickeln: Vom Wohnraum zum Lebensraum
Frage:
Sie sprechen von „LebensWert in Lebensräumen“. Was meinen Sie damit?
Antwort:
Gesundheit entsteht dort, wo Menschen leben – nicht nur dort, wo sie behandelt werden.
Die MGG unterstützt Wohnungsgenossenschaften und Quartiere dabei,
- Begegnung zu ermöglichen
- Alltagsunterstützung zu organisieren
- soziale und gesundheitliche Teilhabe zu stärken
So wird aus Wohnraum Lebensraum mit LebensWert – präventiv, sozial und wirtschaftlich sinnvoll.
FAZIT: Zukunftsstatement
Frage:
Was ist die zentrale Botschaft der MGG für die Zukunft von Gesundheit und BGM?
Antwort:
Gesundheit braucht Strukturen, Beteiligung und Verantwortung vor Ort.
Die MGG steht für einen Paradigmenwechsel:
weg von Einzelmaßnahmen – hin zu genossenschaftlich organisierten Gesundheits‑Ökosystemen mit echter Wirksamkeit.


